Warum du kein Duales Studium machen solltest

Homestory

 

Wie ihr bereits wisst, habe ich vor ein paar Wochen mein Duales Studium abgeschlossen. Die letzten drei Jahre waren nicht immer ganz leicht. Klar, ein Duales Studium ist anstrengend. Das weiß ja jeder. Aber ansonsten wird man doch meistens nur mit den Vorteilen gelockt. Geld verdienen, Berufserfahrungen sammeln. Vor drei Jahren ging es mir jedenfalls so. Und auch heute sind den Erstis immer noch nur die Vorteile dieses Studienmodells bekannt.

Eines vorweg: Ich möchte nicht alles schlecht machen. Ein Duales Studium bringt viele Vorteile mit sich, über die von den Unternehmen und Hochschulen auch weitreichend aufgeklärt wird. Ob die Vor- oder Nachteile überwiegen, muss jeder für sich persönlich entscheiden. Allerdings ist dies nur möglich, wenn einem auch die Nachteile bekannt sind. Hätte ich mich vor drei Jahren genauer mit dem Thema beschäftigt, hätte ich wahrscheinlich einen anderen Weg eingeschlagen.

Nach meinem Abitur hatte ich keine Ahnung, was ich studieren soll. Nur eines stand fest: Ich wollte unbedingt in Berlin bleiben. Und wie es bei so vielen ist, die keinen Plan für ihre Zukunft haben, habe auch ich mich für ein BWL-Studium entschieden. Das kann man ja immer gebrauchen, dachte ich mir. Stimmt letztendlich auch.

Das Duale Studium fing gerade an so richtig bekannt zu werden und klang wirklich verlockend. Ohne mich also wirklich mit den Konsequenzen zu beschäftigen, bewarb ich mich überall in Berlin. Das Unternehmen war mir erst einmal egal. Hier habe ich wahrscheinlich schon den größten Fehler gemacht, denn:

Nachteil 1: Du bist während deines gesamten Studiums an ein Unternehmen gebunden.

Wenn man nun also nach ein paar Monaten oder einem Jahr feststellt, dass einem die Arbeit in diesem Unternehmen überhaupt keinen Spaß macht, man mit seinen Kollegen nicht klar kommt oder die Branche einen doch nicht so interessiert, dann muss man da durch. Ganze drei Jahre lang. Oder man bricht das Studium ab. Sich einfach einen neuen Job zu suchen und trotzdem weiter zu studieren, ist nicht möglich. Mehrmals stand ich kurz davor alles hinzuschmeißen. Letztendlich habe ich es dann trotzdem durchgezogen und für mich das Bestmögliche rausgeholt.

Das Wichtigste ist wohl, sich vorher gut zu überlegen, welche Unternehmen zu einem selbst und den eigenen Interessen passen. Natürlich weiß man nie, wie die Arbeit dort sein wird. Aber wenn einen die Branche und die Themen interessieren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich wohl fühlt, wesentlich höher.

Nachteil 2: Du kannst deine praktischen Schwerpunkte nicht frei wählen.

In den meisten großen Unternehmen durchläuft man während des Dualen Studiums verschiedene Abteilungen. Einerseits ist das gut, da man so das ganze Unternehmen kennenlernt und einen ganz guten Überblick über alle Prozesse bekommt. Andererseits fehlt einem dadurch die Möglichkeit sich in einem Bereich wirklich zu spezialisieren.

Einige Unternehmen schreiben ihren Studenten sogar vor, welche Fächer sie während ihres Studiums an der Hochschule vertiefen dürfen. Hier sollte man sich vorher genau informieren. Doch wahrscheinlich weiß man als frisch gebackener Abiturient sowieso nicht, ob man sich nun eher für Personalmanagement oder Rechnungswesen interessieren wird.

Nachteil 3: Du hast wenig Zeit.

Damit meine ich nicht unbedingt die Freizeit, sondern eher Zeit um eigene Projekte zu verwirklichen. Und um zu Reisen, die Welt zu entdecken. Ich habe neben meinem Dualen Studium diesen Blog gegründet und selbst das war nicht immer einfach. Neben einer 40-Stunden Woche auf Arbeit fehlt einem oft einfach die Energie, die man braucht um eigene Projekte voran zu bringen. Mit einem „normalen“ Studium lässt sich das sicherlich besser vereinbaren.

 

Nachdenkliches Portrait

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  1. Tim sagt: / 13. November 2016

    Hallo Mai,

    danke für deine Eindrücke. Bis jetzt bin ich auch immer davon ausgegangen, dass ein duales Studium nicht schlecht sei. Deine Nachteile sind bei der Meinungsbildung sehr hilfreich, da ich mich bis dato noch nie richtig damit auseinander gesetzt habe.
    Zeitlich gesehen schätze ich den Druck sehr hoch ein. Leider ist dies bei einem normalen Studium nicht unbedingt anders. Ich glaube es hängt von dem gewählten Studiengang ab. Auch ich habe nicht immer die Zeit mich um meinem Blog, Freunde oder andere Angelegenheiten zu kümmern.
    Ich bin stolz auf dich, dass du diese drei Jahre durchgehalten hast, trotz der Strapazen. Es ist nicht jeder für eine solche Herausforderung gemacht.
    Wie sieht deine Zukunft nun aus?

    Liebe Grüße,
    Tim

    1. Mai sagt: / 13. November 2016

      Hallo Tim,

      Ein Duales Studium ist auf jeden Fall nicht prinzipiell schlecht, diesen Eindruck wollte ich nicht erwecken. Mit geht es vielmehr darum, dass es eben auch Nachteile gibt, auf die leider so gut wie nie hingewiesen wird.
      Ich glaube dir gerne, dass bei einem normalen Studium auch oft die Zeit fehlt. Vorallem in den Prüfungsphasen wird es da wohl keinen großen Unterschied geben und Jura ist sicherlich auch noch einmal wesentlich zeitintensiver als BWL.

      Im Moment mache ich ein Praktikum, um mal ein anders Unternehmen kennenzulernen. Ich hoffe zum Sommersemester dann mit meinem Master anfangen zu können – diesmal als „normales“ Studium. Mal sehen, ob das dann besser wird 🙂

      Liebe Grüße
      – Mai

      1. Tim sagt: / 13. November 2016

        Den Eindruck hast du selbstverständlich nicht erweckt. Du hast lediglich die Argumentationsbreite meiner Meinung erweitert.
        Dann wünsche ich dir viel Erfolg auf deinem Weg und ich werde weiter deinen tollen Blog verfolgen!

        Schönen Sonntag meine Liebe.

  2. Sarah sagt: / 13. November 2016

    Liebe Mai,
    ein interessanter Beitrag. Ich hatte selbst mehrmals überlegt dual zu studieren und mich letztendlich dagegen entschieden – und es nie bereut. Ich glaube beides hat Vor- und Nachteile und man muss vielleicht auch ein bisschen Glück mit dem Unternehmen haben. Ich kenne auch Leute denen es sehr gefällt. Ich hoffe dir gefällt dein Master besser 🙂

    Liebste Grüße
    Sarah von http://www.sarahsececry.wordpress.com

    1. Mai sagt: / 14. November 2016

      Liebe Sarah, du hast vollkommen Recht. Natürlich hat das ganze viel mit dem Unternehmen zu tun und eine Portion Glück ist sicher auch nicht schlecht. Ich kenne auch viele, denen das Duale Studium sehr gut gefallen hat. Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was das Richtige ist 🙂

  3. Eli sagt: / 13. November 2016

    Ich kann diene Argumente alle verstehen, stelle mir das auch sehr stressig vor! Sei stolz auf dich, dass du es gepackt hast 🙂
    LG Eli
    http://www.doctorsfashiondiary.jimdo.com

    1. Mai sagt: / 14. November 2016

      Vielen Dank liebe Eli 🙂 Das bin ich!

  4. jlelse sagt: / 14. November 2016

    Hallo!

    Sehr schöner Artikel, der das Thema „Duales Studium“ auch mal von der anderen Seite beleuchtet.

    Ich bin gerade kurz vor dem Abitur und hab mich auch schon bei 3 Firmen für ein duales Studium beworben. Bei einer der Firmen habe ich bereits mehrmals Praktikum gemacht und bei einer der anderen arbeitet mein Vater. Das Fach ist außerdem Informatik. Das mit Informatik steht für mich auch schon ungefähr 5 Jahre fest. Also ich kenne die Unternehmen schon einigermaßen und das Fach ist mein absolutes Lieblingsfach.

    Zum Thema Zeit: Auch während des Lernens für das Abi bleibt einem nicht wirklich Zeit. Ich glaub es kommt immer darauf an, wo und wie man Prioritäten setzt und wie man allgemein mit dem Lernen zurecht kommt. Ich hab übrigens auch einen Blog, dem ich ab und zu mal neue Artikel spendiere.

    Dennoch weiterhin alles Gute in deinem beruflichen Leben!

    1. Mai sagt: / 14. November 2016

      Wenn du die Firma schon kennst und weißt, dass es dir dort gefällt, ist das natürlich die perfekte Voraussetzung! Und zu wissen, was man wirklich machen will ist sowieso gut. Aber das gilt wohl für jedes Studium. Ich denke du bist schon einen ganzen Schritt weiter als ich es nach dem Abi war und vielleicht ist das Duale Studium für dich genau der richtige Weg. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass alles klappt und du deine Ziele erreichst!

      Und zum Thema Zeit: Spätestens in der ersten Klausurenphase wirst du dir die Abizeiten zurück wünschen 😉

  5. Carrie sagt: / 14. November 2016

    wow traumhaft schöne Bilder. Ich wünsch dir einen super Start in die neue Woche.
    http://carrieslifestyle.com

    1. Mai sagt: / 14. November 2016

      Dankeschön, den wünsche ich dir auch!

  6. Jimena sagt: / 14. November 2016

    Ein wirklich sehr toller und ehrlicher Post!

    Liebe Grüße
    Jimena von littlethingcalledlove.de

  7. Anni sagt: / 14. November 2016

    Ein Super Beitrag. Ich studiere im klassischen Modell und das ist auch anstrengend, aber wie du sagst man kann seine Zeit besser einteilen, man hat einfach mehr Freiheiten bei der Planung des eigenen Lebens auch.
    Als ich mit dem Abi fertig war hieß es von allen Seiten „Du musst unbedingt dual studieren“ ich bin so froh dass ich es nicht getan habe, da es für mich wahrscheinlich der falsche Weg gewesen wäre.

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

    1. Mai sagt: / 14. November 2016

      Liebe Anni, ich finde es richtig gut, dass du deinen eigenen Weg eingeschlagen hast. Auf sich selber zu hören ist in solchen Situationen sowieso das Wichtigste. Selbst wenn man die falsche Entscheidung trifft, so hat man sie auch alleine zu verantworten. Ich glaube wenn ich mich damals nicht selber für das Duale Studium entschieden hätte, hätte ich niemals die Kraft gehabt es durchzuziehen.

      Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!
      – Mai

  8. Tina sagt: / 14. November 2016

    Ohja ich weiß genau was du meinst…ich hab ebenfalls ein Dualstudium gemacht und 2012 abgeschlossen und war seeehr froh es endlich hinte rmir zu haben 😉 Klar gibt es Vorteile wie Geld verdienen/ man hat danach einen Job (relative) sicher usw… aber was bei mir Punkt 4 auf deiner Liste wäre – nie Semesterferien gehabt zu haben obwohl man Student ist 😀
    Naja im Nachhinein bin ich froh es geschafft und dadurch auch einen guten Start in die Berufswelt gehabt zu haben 😉

    1. Mai sagt: / 14. November 2016

      Gut, dass es nicht nur mir so ging 😉

      Dein Punkt 4 gehört ja eigentlich zu Punkt 3 dazu. Keine Zeit zum Reisen und so weiter… das hätte man ja sonst alles so schön in den Semesterferien machen können. Die paar Wochen Urlaub, reichen da leider nie so wirklich aus.

      Ich bin auf jeden Fall auch froh es durchgezogen zu haben, nur nochmal würde ich es nicht machen 🙂

  9. Myriam sagt: / 14. November 2016

    Hi,

    deine 3 Argumente sind nachvollziehbar. Ich habe zwar kein Duales Studium im eigentlichen Sinne gemacht, ich habe aber nach der Ausbildung neben den Beruf studiert und weiss daher sehr gut, wie wenig Zeit und wie unflexibel man ist. Fuer meinen Blog hatte ich auch nie wirklich Zeit. Was natuerlich besser in meinem Modell ist, du kannst frei den Arbeitgeber wechseln, hast aber auch Studiengebuehren zu zahlen.
    Ich denke, dass es eine gute Idee ist fuer den Master ein anderes Studienmodell zu waehlen und deine praktische Erfahrung und die Tatsache, dass du es durchgezogen hast, kann dir keiner mehr nehmen. 🙂
    Ich hab uebrigens bei der FOM studiert, vielleicht waere das auch was fuer dich.

    LG aus Dublin

    Myriam

    1. Mai sagt: / 14. November 2016

      Hallo Myriam, ein Studium neben dem Beruf stelle ich mir noch schlimmer vor. Wenn man dann auch noch am Wochenende zur Uni muss, bleibt ja wirklich gar keine Freizeit mehr. Da kannst du auf jeden Fall echt stolz auf dich sein, das durchgezogen zu haben.

      Ich werde jetzt erstmal das richtige Studentenleben genießen. Mal sehen wie mir das ganze dann gefällt 🙂

  10. duni.cheri sagt: / 18. November 2016

    Meine Liebe ❤

    Ich finde deinen post wirklich klasse, vorallem weil er so informativ ist und auch mal die Schattenseiten beleuchtet, da hilft du sicher vielen, die sich in der Sache noch unsicher sind! Hut ab und meinen Respekt.

    Aber auch meinen Respekt dass du das dann wirklich 3 Jahre lang durchgezogen hast, ich weiß wie es ist sich in seinem Job nicht wohl zu fühlen und ich hab keine 6 Monate durchgehalten ohne zusammenzubrechen…

    Die Zeit fehlt uns wirklich überall… Ich merk das ja auch mit Wohnung, 40 Stunden-Job, Familie, Freizeit, da bleibt im Grunde gar keine Zeit. Aber irgendwo schneidet man sich es dann trotzdem raus, nech..

    Jedenfalls: Toller Post und toll geschrieben!! ❤
    Ich drück dich ganz lieb,
    deine Duni

  11. Laura sagt: / 22. November 2016

    Hallöchen,

    ich muss sagen, dass mit das Duale Studium sehr gut gefallen hat und ich demnächst auch noch den Master berufsbegleitend dranhängen möchte. Das kommt natürlich immer aufs Partnerunternehmen und die eigenen Berufswünsche an. Bei mir stand eigentlich schon vor Jahren fest, was ich machen möchte und im Unternehmen kann ich genau das nun ausführen.

    Ist also immer eine Portion Glück notwendig. 🙂

    VG

    Laura

  12. Carrie sagt: / 03. April 2017

    Wow tolle Bilder. Ich wünsch dir viel Erfolg für deine Zukunft
    http://carrieslifestyle.com

  13. Julia sagt: / 03. April 2017

    Hi,
    also ich habe schon mehrfach erlebt, dass Studenten ihre Arbeitgeber auch während des dualen Studiums gewechselt haben. Nicht geplant, aber weil es einfach nicht gepasst hat oder das Unternehmen ganz und gar geschlossen wurde. Ich habe auch dual studiert und kann ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen, dass du scheinbar überrascht warst, wie wenig Zeit du damit hattest. Denn das ist ja einer der Punkte, die von Anfang an ganz klar vermittelt wird – 3 Monate Studium, 3 Monate arbeiten, dabei keine Semesterferien sondern die normalen Urlaubstage, die der Arbeitgeber vorgibt. Da bleibt tatsächlich keine Zeit durch die Welt zu tingeln, das stimmt. Ich bin mir etwas unsicher, ob ich es noch einmal so machen würde oder nicht, aber insgesamt bin ich ganz zufrieden mit meiner Erfahrung. Ich war vor und nach dem Studium mehrere Monate auf Reisen und kann heute von den Berufserfahrungen und Kontakten, die ich während der Studienzeit knüpfen konnte, profitieren. Übrigens gibt es auch duale Studiengänge, in denen man seine Schwerpunkte wählen kann. Das ist überall ein bisschen unterschiedlich.
    Viele Grüße! 🙂
    Julia

    1. Mai sagt: / 03. April 2017

      Liebe Julia,

      ich denke du hast einiges falsch aufgefasst. Es ging mir nicht darum, dass Duale Studium schlecht zu reden. Ich wusste was auf mich zukommt, habe es durchgezogen und bereue es auch nicht. Aber nochmal würde ich diesen Weg nicht einschlagen. Das Studenten den Arbeitgeber gewechselt haben, habe ich an meiner Hochschule nicht erlebt. In Ausnahmefällen ist das sicherlich irgendwie möglich. Aber eben nicht so einfach, wie z.B. eine Werkstudentenstelle zu wechseln. Ich habe mit 17 Abi gemacht und hatte keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Von daher war es mir zu dem Zeitpunkt egal, dass ich keine Zeit für eigene Projekte habe. Grade in dem Alter entwickeln sich die Interessen und Lebensvorstellungen schließlich erst und dabei kann es (eventuell) stören, so unflexibel zu sein.

      Und natürlich gibt es Vorteile: Die 3 Jahre Berufserfahrung haben mir natürlich geholfen und mich weitergebracht. Aber über all diese Dinge klären Unternehmen und Hochschulen schon zur Genüge auf 😉

      Viele Grüße – Mai